Autonomiephase

...trotz Trotz...

 

Irgendwie meinte ich immer insgeheim, dass dieser Kelch einfach leise und unmerklich an uns vorbei ziehen würde...

Ich habe mich manchmal dabei erwischt, wie ich dachte (obwohl besseren Wissens), dass die schlimmen Symptome vielleicht nur etwas mit falscher Erziehung zu tun hätten...

Die Trotzphase!

Schon die Bezeichnung klingt nach Auseinandersetzungen und Diskussionen.

Also lieber den neuen, korrekten Ausdruck: Autonomiephase.

Wie man sie jetzt auch nennen mag, mein Sohn steckt drin und es ist eine Herusforderung!

Als er vor ein paar Wochen anfing, sich immer wieder genau gegenteilig zu meinen Wünschen zu verhalten, ständig entrüstet: „Ma selber!“, rief, was so viel heißt wie: „Selber machen“, und das erste Mal versuchte mich zu hauen, war mir klar: Der Kelch ist nicht an uns vorüber gezogen und er ist randvoll.

Manchmal war ich es soo leid Nein zu sagen oder zu Ermahnen...

Ich wollte einfach nur in frieden mit ihm Zeit verbringen und genießen.

Andere Mütter mit denen ich darüber sprach erzählten mir, dass sie schon bestimmte Situationen konsequent meiden würden, oder ihnen schon im Vorhinein ängstlich entgegen sähen.

Ich habe mich dann schon selbst bei ähnlichen Vermeidungsstrategien erwischt.

Das gefiel mir nicht, ich wollte nicht durchs leben gehen in ständiger Sorge vor Auseinandersetzungen. Aber was war die Alternative, wie diese Sorge und den Missmut los werden?

Mir hat Wissen geholfen!

Die Autonomiephase beginnt etwa um das zwei Lebensjahr und dauert manchmal bis ins Schulalter.

Bei meinem Sohn ist die Phase gekennzeichnet durch Wutausbrüche und starkes schreien und Weinen, wenn er etwas nicht bekommt oder darf oder ihm etwas misslingt.

Zu dem, verhält er sich oft entgegen der ihm durchaus bekannten Regeln und beobachtet mich dabei ganz genau. Ein paar wenige Male hat er angedeutet mich zu hauen, es dann aber doch nicht getan.

Ursprünglich ist Trotz kein negativer Begriff gewesen, er war Ausdruck von Standhaftigkeit und Willenskraft im Sinne der Selbstbehauptung.

Und genau diese Eigenschaften werden in dieser Phase erlernt.

Die Kinder erfahren ihren eigenen Willen.

Sie erfahren das ihre Wünsche und Bedürfnisse an Grenzen stoßen und sie werden von Gefühlen überrollt, die es erst einmal regulieren zu lernen gilt.

Die Fähigkeit zur Selbstregulierung ist nicht in die Wiege gelegt und daher ein Wichtiger Schritt in der Entwicklung.

Es ist auch wichtig, dass Kinder in dieser Phase ihre und andere soziale Grenzen kennen lernen um sich in einem sicheren Rahmen bewegen zu können.

Grenzen engen nicht nur ein, sie bieten auch Sicherheit und die Möglichkeit sich innerhalb der Regeln selbstständig zu bewegen.

Mein Sohn meint es also nicht persönlich, es geht nicht gegen mich als Person wenn er mich hauen will. Es ist eher eine Art Test, ein Experiment um die Welt und sich selbst verstehen zu lernen.

Mir hilft dieses Wissen sehr. Ich bin ruhiger und nachsichtiger und mein Sohn ist ruhiger geworden. Lässt sich auf Kompromisse ein, kann kurze Zeit warten und akzeptiert mein Nein, sehr viel häufiger.