Abstillen

Ich denke stillen ist zwar ein Begriff unter dem wir uns alle etwas vorstellen können, aber es ist eine so hochkomplexe und intensive zwischenmenschliche Begebenheit, die, wie ich glaube, jede Mutter und jedes Kind anders erleben.

So auch beim Abstillen, der Teil im Stillprozess, der mir die weitaus größeren Schwierigkeiten gemacht hat.

Von Anfang an hatte ich genügend Milch und mein Sohn einen guten Appetit.

So unkompliziert verlief es auch mit der Essenseinführung und schon stand ich vor einer neuen Herausforderung: wohin mit der Milch. Mich plagten mindestens vier Brustentzündungen während ich mühsam versuchte tagsüber etwas Milch in meinen Sohn zu bekommen und er mich nachts geradezu aussog.

Ich ersetzte eine Milchmahlzeit nach der anderen und meinem Sohn schmeckte fast alles, was ich ihm kochte.

Nur Nachts wollte er sich einfach nicht von meiner Brust trennen, obwohl ich mir so sehr wünschte, nach fast einem Jahr mal wieder durchschlafen zu können.

Als mein Sohn dann 12 Monate alt wurde, fasste ich einen Entschluss. Ich würde ihm in dieser Nacht nicht die Brust geben, sondern versuchen ihn anders zu beruhigen.

Es hat knapp eine Stunde gedauert, in der ich ihm gut zu sang, ihn schaukelte und einfach für ihn da war, bis er einschlief und erst am nächsten Morgen wieder aufwachte.

Seitdem stillte ich einmal täglich abends zum Einschlafen.

Was so einfach klingt, hat mich viel Durchhaltevermögen und Selbstreflexion gekostet.

Es war ein Prozess, in den ich immer erst dann hineingewachsen zu sein schien, wenn ich mich mit viel Mühe und Kraft zum Durchhalten überredet hatte.

 

Gedanken und Gefühle die ich hatte als mein Sohn sich abgestillt hat:

Jetzt ist es soweit!

Ein sehr intensiver Abschnitt meines Lebens, nein eigentlich unseres Lebens, geht zu ende. Ich bin voller Wehmut!

Vor ein paar Tagen hat mein Sohn zum ersten Mal nicht aus meiner Brust trinken wollen. Und seine Meinung bis heute nicht geändert...

Ich bin durchaus ein rationaler Mensch und weiß, dass er weiß, was gut für ihn ist. Außerdem ist es doch ein Segen, wenn Kinder sich selbst und ohne Theater abstillen. Und mit fast 14 Monaten ist er auch alt genug.

Doch es ist mehr als das...

Ich habe meinen Sohn 10 Monate in mir getragen und genährt.

Bereits Sekunden nach der Geburt hat er an meiner Brust gelegen.

Es war nach der Schwangerschaft unsere neue Art der Verbundenheit.

Und mein Alleinstellungsmerkmal als Mutter.

Es hat unsere Beziehung zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Das fehlt mir.

Ich weiß, dass die Entwicklung meines Sohnes dahin geht, eigenständig zu werden, und ich als Mutter stets ein wenig mehr los lassen muss. Ich dachte auch immer, dass es kein Problem für mich wäre aber jetzt ist es doch schwerer als ich dachte.

 

Mittlerweile hat sich mein Sohn seit knapp einer Woche selbst entwöhnt und mir geht es ganz gut damit. Zwar seufze ich wehmütig wenn wieder irgendwer sagt, dass man ruhig bis zum zweiten Lebensjahr stillen sollte, doch eigentlich vertraue ich darauf, dass alles gut ist wie es ist.

 

Eure Carlotta